06.02.2012

The Da Vinci Code

24.05.2006 | 22:07
Gestern hab ich mir die Verfilmung von Dan Brown's Bestseller im Kino angetan, obwohl meine Erwartungen niedrig waren nach einem genialen Buchwerk eine halbwegs prächtige Inszenierung auf der großen Leinwand zu erhoffen. Das Buch war durchaus großartig und meinem Erachten nach an vielen Stellen schwer zu verfilmen. Mitunter bewahrheitet sich dies auch nach 149 Minuten und lästigen 10 Minuten Pause, stückweise konnte der Film aber auch herausstechen und in machen Momenten sogar entzücken.


Die Bewertungen von dem Kinostart waren durchaus mannigfaltig: zurückhaltende Wertungen von Filmkritikern über begeisternde Fans des Buches und des Autors bis zu einer scharf kritisierende katholischen Kirche. Meine Erwartung war vor allem eine solide Verfilmung genießen zu können, dessen Umfang dem des Buches entsprechen sollte. Dementsprechend ist folgendes Review stets im Bezug auf die Literatur zu sehen.

Es folgen mögliche Spoiler!

Handlung

Leider stellte ich mich schon relativ früh ein, dass der volle Umfang wohl nicht erreicht werden würde. Die anfängliche Louvre-Szene mit Langdon geht viel zu rasch vorüber, obwohl hier in der Literatur bereits der Grundstein für einen enorm langen Spannungsbogen aufgebaut wird. Viel zu schnell und einfach werden die ersten beiden wichtigen Codes gebrochen, der Zeitdruck unter denen Langdon und Neveu standen kommt nicht richtig zu Geltung. Die Reihenfolge der Fibonacci-Folge wird zu rasch überflogen und Anagramme schießen Langdon wie aus dem Nichts in den Kopf. Natürlich fehlt es auch an Zeit dem Publikum die Möglichkeit zu geben die Codes noch mal zu verifizieren und nachzuvollziehen, aber das kann man im Gegensatz zu einem Buch in einem Film auch nicht erwarten. Danach nimmt der Film rasch an Handlung und Spannung zu, die Jagd nach dem Heiligen Gral ist eröffnet. Ab und zu gibt es Rückblenden auf die Geschichte des Grals und die Geschichte der einzelnen Charaktere. Diese sind gut gelungen, aber leider zu kurz und ermöglichen jemandem der das Buch nicht kennt, erst gar nicht die Zusammenhänge zu verstehen. Somit bleibt auch der gesamte Hintergrund der Charaktere verborgen, der sie so einzigartig erscheinen lässt. Eine der Schlüsselszenen im Arbeitszimmer Teabings wird ausführlich und gut dargestellt, hier wird schließlich auch das Geheimnis um den Gral an das Publikum übergeben. Die Auflösung des Ganzen in Großbritannien entspricht nicht immer dem Ausgang im Buch, behält aber die wesentlichen Handlungen bei. Aber auch hier wurde teilweise unverständlicherweise gekürzt: Die Öffnung der ersten Cryptex mit der zweiten als Inhalt wurde gestrichen, ebenso die Geschichte, die hinter Remy, dem Butler, steht und die wahren Ereignisse nach dem Unfall Sophies Familie und ihres Bruders. Insgesamt kann man nicht über die Handlung meckern, denn sie entspricht im Wesentlichen dem des Buches und ändert nichts radikal ab, sodass der Plot gleichermaßen spannend bleibt.

Charaktere

Bei den Charakteren und deren Schauspielern gibt es Licht und Schatten. Tom Hanks bleibt den ganzen Film über schwach und unter seinen schauspielerischen Möglichkeiten, lediglich in den Schlussszenen scheint Hanks ein wenig aufzublühen. Langdons Charakter an sich und auch seine Klaustrophobie kommen nicht voll zur Geltung (wer auch „Illuminati“ gelesen hat, weiß was ich meine). Paul Bettany als Silas und Audrey Tautou als Sophie machen einen soliden Eindruck, bei Sophie hab ich vermisst wie sie im Buch zusammen mit Langdon das perfekte Paar bilden um die Codes sukzessive zu knacken. Im Film erscheint sie hilflos und stets auf die Hilfe Langdons angewiesen. Alfred Molina als Bischof Aringarosa und Jean Reno als Bezu Fache spielen ihre Rollen überdurchschnittlich gut und können überzeugen. Ian McKellen alias Sir Leigh Teabing kann man ein großes Lob aussprechen. Sein Charakter kommt voll zur Geltung und durch einige seine Sprüche wie („You’ll just have to shoot us! … Start with him“), die auch nicht im Buch wieder zu finden sind zusätzlichen Charme versprüht. Insgesamt scheint aber jeder Charakter für sich zu stehen, das ständige Zusammenspiel zwischen ihnen und die Frage wer der „teacher“ sei, kommt nur bedingt rüber. Es fehlen die tiefgründigeren Beziehungen zwischen Teabing und Remy, Fache und Aringarosa, Remy und Silas, usw. und das alles inmitten der Auseinandersetzung zwischen der kirchlichen Doktrin und dem „Priory of Sion“.

Fazit

Es ist wohl immer ein großes Problem wenn man versucht ein Buch mit mehreren hundert Seiten in zwei bis drei Stunden wieder zu geben. Teilweise ist es gut gelungen, wofür aber für andere Szenen die Zeit dann gefehlt hat. Für die Leute die das Buch gelesen haben, ist es sicherlich ganz amüsant es mit der Verfilmung zu vergleichen. Für diejenigen, die das Buch noch nicht kennen, würde ich eher vorschlagen das Buch gänzlich zu lesen bevor man sich den Film anschaut. Auch wenn der Film machen Leuten wohl gefallen hat, so kann das Buch sicherlich einen tiefer in die Geschichte erzählen und einen höheren Spannungswert liefern.


Zu knackende Codes aus dem Buch:

13-3-2-21-1-1-8-5
O, Draconian devil!
Oh, lame saint!
P.S. Find Robert Langdon


So Dark The Con Of Man

An ancient word of wisdom frees this scroll
and helps uskeep her scatter’d family whole
a headstone praised by templars is the key
and atbashwill reveal the truth to thee


In London lies a knight a Pope interred
His labour’s fruit a Holy wrath incurred
You seek the orb that ought be on his tomb
It speaks of Rosy flesh and seeded womb


The Holy Grail ‘neath ancient Roslin waits
The blade and chalice guarding o’er Her gates
She rests at last beneath the starry skies
Adorned in masters’ loving art, She lies

1 Kommentar:

Robert
26.05.2006 | 10:40
Ich würde das andersrum empfehlen! Erst den Film gucken und dann das Buch lesen. So kann man den Film genießen, ohne ihn mit dem überragenden Buch vergleichen zu müssen und dann das Buch lesen, was ja dann nochmal Spaß macht, weil es so viel besser ist als der Film.

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Last Update: 05.04.2011 02:45:49
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